Michelle Obama – Biografie von Liza MundyDetails zum Leben der ersten afroamerikanischen First Lady
Von Chicago bis ins Weiße Haus: Michelle Obama ist die erste afroamerikanische First Lady der Vereinigten Staaten. Liza Mundy hat nun eine Biografie über sie geschrieben.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Journalistin Liza Mundy, die seit Jahren für die „Washington Post“ über Politik und das Weiße Haus schreibt, hat für ihre Biografie mit dem schlichten Titel „Michelle Obama“ ihre Informationen nicht aus erster Hand erhalten, obwohl sie sich sehr darum bemühte. Als sie Ende 2007 an den Stab um Präsidentschaftskandidat Barack Obama mit ihrer Bitte um Interviews herantrat, wurde sie systematisch abgewiesen. Kein Wunder, hatte Michelle Obama durch das ein oder andere etwas zu unverblümte Wort schon von sich Reden gemacht. Obwohl Liza Mundy durchaus klar machte, ihr Porträt über die Ehefrau des (damals noch) denkbaren nächsten Präsidenten so objektiv wie nur möglich gestalten zu wollen, musste sie sich letztlich mit den zahlreichen anderen Gesprächspartnern wie dem Bruder sowie einigen ehemaligen Klassenkameraden und Arbeitskollegen zufrieden geben, was für die Biografie einige positive wie auch negative Konsequenzen hatte. Kindheit und Jugend in ChicagoDass Michelle LaVaughn Robinson (spätere Obama) am 17. Januar 1964 in der Chicagoer South Side geboren wurde, ist hinlänglich bekannt. Auch, dass ihre Vorfahren Sklaven und ihre Eltern schlichte Leute waren, dass sie als Kind ob ihrer herausragenden schulischen Leistungen eine Klasse überspringen konnte und letztlich sogar in ein spezielles Förderprogramm aufgenommen wurde. Ebenso ist ihre studentische Laufbahn in Princeton und Harvard kein Geheimnis. Diesem Werdegang kann auch Liza Mundy keine weiteren Facetten hinzufügen. Zwar wird die kleine Michelle von ihrem Bruder Craig als recht eigenwillig und zielstrebig charakterisiert, doch wirklich neu ist das nun nicht. Deswegen greift die Autorin zu einem erzählerischen Kniff und lässt die 60er, 70er und 80er Jahre in Chicago wieder lebendig werden. Sie berichtet von der Bürgerrechtsbewegung, dem ersten afroamerikanischen Bürgermeister der Stadt und verwebt alles mit dem Lebenslauf der zukünftigen First Lady. Vor allem für europäische Leser kann es so recht spannend sein, sich die damaligen gesellschaftlichen Umstände in den Vereinigten Staaten vor das innere Auge zu führen. Barack Obama stellt Michelle in den SchattenEinen großen Teil der Biografie nehmen dann natürlich das Kennenlernen mit Barack Obama, die Heirat der beiden und seine politische Karriere ein. Zu oft allerdings legt Liza Mundy hier ihren Schwerpunkt auf den Ehemann und nicht auf Michelle Obama. Schnell rückt die aufstrebende Anwältin da in den Schatten, obwohl sie ja eigentlich die Hauptperson sein sollte. Auf der einen Seite wird sie als stressgeplagte Mutter dargestellt, die ihre beiden Töchter quasi alleine großziehen muss, weil ihr Mann als Senator ständig unterwegs ist. Doch andererseits findet eben dieses Familienleben nur ansatzweise genügend Raum. So wird die Geburt der ersten Tochter Malia wenigstens noch mit ein paar Zeilen erwähnt, doch von dem jüngsten Spross Sasha erfährt man in einem Nebensatz lediglich das Geburtsjahr. Viel wichtiger scheint es der Journalistin dann zu sein, davon zu berichten, dass eigentlich Michelle der Herr im Hause Obama ist, weil ihr Mann jegliche Karriereabsichten zuvor mit ihr abspricht. Auch vergisst sie nicht zu erwähnen, wie oft Michelle Obama während diverser Interviews liebevoll und spöttisch zugleich vom ihrem Gatten gesprochen hat, um dann auf die Bedeutung von Barack Obamas Präsidentschaftskandidatur zu kommen. Das ist schade, denn das zeigt, dass Liza Mundy mit ihrer Biografie keine klare Linie verfolgt, sondern ihr Informationssammelsurium ungefiltert an den Leser weitergibt, ohne einen echten Schwerpunkt zu setzen. First Lady Michelle ObamaEine Daseinsberechtigung hat die Biografie über Michelle Obama aber trotzdem, denn immerhin ist diese Frau die erste afroamerikanische First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika. Damit wird ihr eine ebenso historische Bedeutung wie ihrem Mann zuteil. Bleibt nur zu hoffen, dass es irgendwann einmal einem Journalisten gestattet sein wird, eine autorisierte Biografie zu verfassen, in der man dann auch neue Aspekte aus dem Leben der Michelle Obama erfahren kann. Liza Mundy: Michelle Obama. Fackelträger, 2009. Gebundene Ausgabe, 300 Seiten. Euro 19,95.
Der Artikel Michelle Obama – Biografie von Liza Mundy in Biografien & Erinnerungen unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Michelle Obama – Biografie von Liza Mundy ist Nicole Korzonnek.
Ähnliche Artikel
Ähnliche Themen
Schlagworte
Mehr in Lesen & Lauschen
|